Gefühlvoll und ehrlich
Mr Jones steht seit zehn Jahren auf der Bühne

(Passauer Neue Presse, 12/17/2007)

 

(von Raphaela Hien)

Pfarrkirchen. Seine Musik passt in keine Schublade: Sie ist nicht Jazz, nicht Country und auch nicht Blues. Kurz gesagt: Sie ist unbeschreiblich, aber vor allem eins - ehrlich und mit Gefühl. Das kommt seiner Musik wohl am nächsten, sinniert Jürgen Bichlmeier, der seit mittlerweile zehn Jahren als Mr Jones auf der Bühne steht. Seine ersten Auftritte hatte der mittlerweile 36-jährige Pfarrkirchner in Kneipen - spielen will er dort heute allerdings nicht mehr, was aber nicht „überheblich“ klingen soll. „Ich will auf mein Publikum eingehen, die Leute sollen zuhören. In Kneipen funktioniert das nicht - da verkommt man zur Hintergrundmusik“, erklärt Bichlmeier seine Absichten. Schließlich wolle er sich mit seinen gefühlvollen Texten die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer erarbeiten und ihnen aus der „Seele sprechen“. Nervös ist er trotz seiner langjährigen Bühnenerfahrung immer noch. Schlimm ist das nicht, sondern vielmehr eine Herausforderung, die ihn besser mache. Er sei konzentrierter und kann seinen Zuhörern deshalb mehr geben. Um aus seinen Fehlern zu lernen, hat er mehr als 200 Auftritte auf Band aufgenommen. Mittlerweile sind aus diesen Mitschnitten die beiden Alben „old songs and a couple of drinks“ und pünktlich zu seinem zehnjährigen Bühnenjubliäum „autumn tour 1997 - 10th anniversary“ entstanden. Seinen Auftritten in Deutschland folgte im Jahr 2000 eine Europatournee. „Das war für mich ein ganz neuer Schritt. Muttersprachler mit meinen Texten und meiner Musik zu überzeugen - das war toll. Schließlich will ich authentisch sein“, schwärmt der Musiker, der am besten ins Genre Singer/Songwriter einzuordnen ist.

Album in Texas produziert

„Auch wenn die Musik nur ein Hobby ist, es war ein Riesenerlebnis. Das waren ganz andere Dimensionen“, womit er die Aufnahmen für sein Album „Waitin‘ for me“ (2002) meint. Produziert wurde die CD von seinem Freund und Sänger Eric Taylor in Texas. „Ich bekomme heute noch Gänsehaut bei dem Gedanken daran, was für tolle Musiker mitgewirkt haben. Ich war fasziniert von der Arbeit des Produzenten. Grandios, wie er meine Songs veredelt hat“, erinnert sich Bichlmeier. Irgendwann sei er mit seiner Musik allerdings an einen Punkt angelangt, an dem ihm eine Entscheidung abverlangt wurde: Bleibt sie länger nur Hobby oder geht er einen Schritt weiter, was die logische Entwicklung gewesen wäre. Weil die Musik für ihn aber ein „Refugium“ ist und sie nicht zu seiner Arbeit werden sollte, hat er sich dagegen entschieden und arbeitet weiter als Netzwerkadministrator. Von einem tourenden Künstler werde erwartet, dass er ständig was Neues mache. Und das will Bichlmeier nicht: Er will Qualität und nicht Quantität. „Ich habe die Notbremse gezogen, weil ich mir den Spaß nicht verderben lassen wollte“, rechtfertigt er seine Entscheidung. „Ich habe gemerkt, dass die Musik jobähnliche Symptome angenommen hat. Sonst war sie es, mit der ich mich nach der Arbeit entspannt habe. Vor zwei Jahren hat dann das Laufen diese Aufgabe übernommen“, beschreibt Bichlmeier diese Kehrtwende in seinem Leben. „Ich war genervt davon, ständig Auftritte organisieren zu müssen. Ich brauchte eine Pause.“

Laufen als Therapie

Bichlmeier fing an, bei Marathons und Triathlons an den Start zu gehen. Welche Bedeutung das Laufen für ihn hat, merkte er nach einer Knieverletzung. „Das Laufen ist für mich eine Art Therapie geworden. Als ich dann keinen Sport machen konnte, bin ich in ein Loch gefallen“, erzählt der Sänger. Der Fokus auf den Sport hat ihm dabei geholfen, seinen Kopf frei zu bekommen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln über vieles nachzudenken. So sei wieder Raum für neue Ideen entstanden, die er ohne Druck weiterentwickelt habe. Was genau ihm das nächste Jahr musikalisch bringen wird, darüber ist er sich selbst noch nicht so ganz im Klaren. „Es wird total schräg“, meint er. Auf alle Fälle neu und anders. Und: Er wird wohl selbst davon überrascht sein.

 

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Updated: 2010-01-17

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